Die Diesel-Debatte: deutscher geht’s nicht.

Letztens ist mir das Faß übergelaufen – und ich hab keinen anderen Ausweg gesehen, als meine Gedanken zu sortieren und niederzuschreiben.

Natürlich habe auch ich in den letzten Monaten die, teilweise sehr unerbittliche, Debatte über Fahrverbote in deutschen Innenstädten verfolgt. Mich hat diese Diskussion nie besonders interessiert, weil ich aktuell weder ein Auto besitze noch in einer Stadt wohne. Insofern habe ich mich etwas zurückgehalten, es muss ja schließlich nicht jeder überall seinen Senf dazugeben — und gerade dann, wenn man selbst überhaupt nicht davon betroffen ist.

Ganz fernbleiben konnte ich der Debatte als politisch interessierter Mensch aber nicht. Und so habe ich mir zuletzt meine Gedanken darüber gemacht — allerdings nicht über die Frage, ob die Fahrverbote nun angemessen sind oder nicht. Denn vermutlich ist beides richtig: die Luft in Städten wie Frankfurt ist echt schlecht und die Messmethoden sind nicht immer ganz eindeutig. Darum soll es aber an dieser Stelle auch gar nicht gehen. Vielmehr aber um die Frage, welche Stoßrichtung hinter dieser Debatte steht und welcher Blick auf die Zukunft damit einhergeht.

Ich persönlich meine: die Dieselfahrverbote sind nur die Spitze des Eisbergs. Im Kern geht es um eine viel grundlegendere Sache, die zwei unterschiedliche Dimensionen hat.

1. In den Städten sind zu viele Autos.

Wer in deutschen Metropolregionen unterwegs ist, dürfte da kaum Widerspruch einlegen. Der Begriff des „Verkehrsinfarkts“ ist nicht ganz ungeeignet, um die Situationen in und um München, Stuttgart oder Frankfurt zu beschreiben. Das kann und darf so nicht weitergehen, allein deshalb schon, weil es alle Beteiligten nur noch nervt — allen voran natürlich die Autofahrer selbst. Die Lösung des Problems ist nicht ganz einfach, besonders die Umsetzung davon. Klar sollte aber sein: der öffentliche Nahverkehr muss besser ausgebaut und billiger zugleich werden. Ob und wie das zustande kommt, ist allein Aufgabe der Landesregierungen und Stadtverwaltungen. Es ist also eine Frage des politischen Willens sein. Das aber ist nur eine Seite der Medaille, denn es braucht zweierlei: auch ein geändertes Nutzerverhalten ist notwendig. Mehr Fahrradfahren, mehr Fußweg und hoffentlich auch bald mehr Street-Scooter.

Nimmt man beide Aspekte zusammen, so könnte sich die Verkehrslage deutlich entzerren. Dass ein solches Szenario weder utopisch noch schlecht ist, beweisen gerade andere Hauptstädte in ganz Europa. Kopenhagen, Amsterdam oder auch Barcelona — und tendenziell kommt mir dabei sogar zu Ohren, dass diese Orte eine eher überdurchschnittlich hohe Lebensqualität aufweisen.

Wir müssen also aufhören, die Stadtentwicklung und -planung um das Auto herum zu denken. Und um das zu schaffen, braucht es einen fundamentalen Turnaround — umparken im Kopf, sozusagen.

Die Fahrverbote könnten dafür womöglich sogar ein willkommener Impuls sein.

2. Der Verbrennungsmotor ist für PKWs maximal noch Brückentechnologie.

Die Autonation Deutschland trifft eine solche Aussage wohl im Kern ihres Selbstverständnisses, das macht sie aber nicht weniger richtig. Man kann es drehen wie man will, aber:

Ressourcen, die sich über Jahrtausende gebildet haben, in schier unvorstellbaren Massen kilometerweit aus dem Boden zu holen und sie dann mit einem Wirkungsgrad von ca. 25% zu Nutzen um tonnenschwere Gefährte von A nach B zu bewegen — das ist eine Lösung, aber kein gute und schon gar keine nachhaltige.

Das Gerede vom „sauberen Diesel“ ist insofern nicht ganz ernst zu nehmen. Ich hätte kein Problem damit, wenn deutsche Automobilhersteller die Dinge einfach beim Namen nennen: die Technologieführerschaft bei den Verbrennungsmotoren bringt nach wie vor, und vermutlich auch in absehbarer Zukunft, gutes Geld — es wäre schlicht dumm, diese Cash-Cows zu schlachten, bevor sie gemolken sind. Viel entscheidender ist es dann aber, die Erlöse auch langfristig zu reinvestieren. Denn die Dinge sind im Fluss, der Antriebsstrang wird und muss sich ändern. Tesla verkaufte im dritten Quartal dieses Jahres mehr Autos in den USA als Daimler und auch ganz grundsätzlich gibt es wenig Dinge, die für ein stures Festhalten Verbrennungsmotor sprechen — mal ganz abgesehen davon, dass die größten Kraftzentren dieser Welt eh nicht auf deutschem, sondern vielmehr auf amerikanischem oder chinesischem Boden liegen. Insofern kann man sich gut und gerne stundenlang über den angeblichen Kreuzzug gegen den Diesel aufregen, schlussendlich aber ist es für die Katz: „Im Jahr 2026 beginnt der letzte Produktstart auf einer Verbrennerplattform.“ — so hat es VW vor gut zwei Wochen verlautbaren lassen.


Zieht man einen Strich drunter, so beschleicht mich zunehmend das Gefühl, dass die Diskussion um Dieselfahrverbote sich zu einer völlig verkrampften Phantomdebatte ausgewachsen hat.

Anstatt diese Umstände nun zum Anlass zu nehmen, um anspruchsvoll und progressiv eine grundlegende Mobilitätswende zu fordern, werden teils fadenscheinige Argumentationsketten ins Spiel gebracht, um schon bald überholte Konzepte zwanghaft vor dem Einfluss natürlicher Veränderungsmechanismen zu schützen.

Oder anders ausgedrückt, mit Deutschlands liebster Argumentationsfloskel: „Ja, aber…“ — mir hängt das inzwischen zu den Ohren raus. Ich halte es da lieber mit den Worten meines Professors aus dem ersten Semester: „Das einzig beständige ist der Wandel.“


> Picture is taken from pixabay.com <

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