11 Gründe für Zuversicht im Zeitalter der Klimakrise

Das kommende Jahrzehnt wird wegweisend dafür sein, ob und inwieweit wir es schaffen, die globale Erwärmung zu stoppen. In vielfacher Hinsicht ist die Ausgangslage besorgniserregend, den Kopf allerdings nun vor Resignation in den Sand zu stecken, erscheint mir ebenfalls unnötig – zu wirkungsstark sind die schon hinter uns liegenden Fortschritte auf Weg in die ökologische Moderne des 21. Jahrhunderts. Elf Aspekte sind dabei besonders ermutigend.

1) Die Wissenschaft

Gerade hier in Deutschland sollte nicht in Vergessenheit geraten, auf welch einer exzellenten Wissenschafts-Community wir aufbauen können. Mit dem PIK sitzt eines der wohl weltweit renommiertesten Forschungsinstitute zu den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels nur unweit von der deutschen Hauptstadt. Aber auch darüber hinaus lässt sich die Liste beliebig weiterführen: MCC, Fraunhofer-Gesellschaft, FZ Jülich, DIW, usw. Nimmt man bspw. auch noch Behörden wie das Umweltbundesamts oder Denkfabriken wie Agora Energiewende dazu, dann dürfte außer Frage stehen, dass wir grundsätzlich ein hohes Maß an Wissen in der eigenen Hand haben um diesen bevorstehenden Transformationsprozess möglichst klug und effizient umzusetzen.  

Was bleibt? Die Herausforderung der Klimakrise könnten komplexer nicht sein – soziale, wirtschaftliche und technologische Denkmuster verändern sich grundlegend und beeinflussen sich gegenseitig. Aber, und das ist die gute Nachricht: wir haben hier eine Vielzahl an Menschen und Organisationen, die diese Sachverhalte tiefgreifend analysieren um kluge Handlungsempfehlungen abzuleiten. Hört man bspw. Menschen wie Maja Göpel, Volker Quaschning oder Claudia Kemfert zu, dann bekommt man zumindest ein Gefühl dafür, was mit unserem aktuellen Wissen schon alles möglich wäre – es gilt jetzt also vor allem, schleunigst ins Handeln zu kommen.  

2) Engagement auf kommunaler Ebene

In diesem Jahre waren es besonders zwei Geschichten aus Bayern, die ich als überaus ermutigend empfunden habe. Zum einen: das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Anfang des Jahres haben sich innerhalb von zwei Woche bei winterlichen Verhältnissen mehr als 1,7 Mio. Menschen in die Rathäuser der Dörfer und Städte bewegt, um sich für mehr Ambition beim Naturschutz und Erhalt der Artenvielfalt einzusetzen. Ich vermute, die wenigsten hätten mit diesem überwältigenden Erfolg gerechnet – am allerwenigsten wohl Markus Söder. Umso erfreulicher aber, dass die Forderungen schlussendlich ohne Abstiche von der bayerischen Staatsregierung übernommen wurden. Und zum anderen: der Radentscheid München. Nach dem Vorbild der Berliner Initiative Volksentscheid Fahrrad kam es auch in der bayerischen Hauptstadt zu einem Bürgerbegehren auf kommunaler Ebene. Und auch diesmal war das Ergebnis äußerst positiv, über 160.000 Menschen haben sich den Forderungen nach einer deutlich verbesserten Fahrradinfrastruktur bzw. einem Altstadt-Radlring angeschlossen. Und auch in diesem Fall gab es schlussendlich keine Widerstände mehr, der Münchner Stadtrat hat sich den Forderungen mit deutlicher Mehrheit angeschlossen. Bis 2025 sollen die Projekte umgesetzt sein. Activism works.

Was bleibt? „Change doesn’t come from Washington. Changes comes to Washington.” – so hat es Barack Obama einmal formuliert. Und dieses Muster gilt mehr denn je in der Umwelt- & Klimaschutzpolitik: Graswurzelbewegungen und persönliches Engagement legen wie so oft den Grundstein für weitreichende Veränderungen. Umso erfreulicher, dass immer mehr Menschen sich den Gestaltungsmöglichkeiten einer lebendigen Zivilgesellschaft annehmen.

3) Ambitionierte Politiker*innen 

Donald Trump nimmt eine Klimaschutzmaßnahme nach der anderen zurück, Jair Bolsonaro verfeuert den Amazonas-Regenwald und Wladimir Putin flutet die Welt mir Erdgas – man könnte fast meinen, die Welt befindet sich in einer unaufhaltbaren Abwärtsspirale. Doch das ist glücklicherweise nur eine Seite der Medaille, es gibt auch eine Reihe von guten Gegenbeispielen: Ursula von der Leyen scheint als Präsidentin der EU-Kommission überaus gewillt, die europäische Klimaneutralität bis 2050 sicherzustellen, auf der anderen Seite des Atlantiks werben Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez mit ihrem Green New Deal für einen grundlegenden Richtungswechsel in den USA nach der nächsten Präsidentschaftswahl und auch im fernen Neuseeland hat Premierministerin Jacinda Ardern mit ihrem Zero Carbon Bill einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Aber auch hierzulande bleibt nicht alles beim Alten: die inzwischen relativ konstant hohen Zustimmungswerte für die Grünen um Robert Habeck und Annalena Baerbock bringen endlich eine Dynamik in den klimapolitischen Diskurs, wie sie schon lange überfällig war.  

Was bleibt? Entgegen aller Negativschlagzeilen gibt’s es auf der ganzen Welt durchaus eine Vielzahl an progressiven Politiker*innen, die mit klaren Überzeugungen und harter Arbeit schon heute den Weg ins post-fossile Zeitalter von morgen bereiten. Was sie in Zukunft wohl am meisten von uns brauchen werden: tatkräftige Unterstützung. 

4) Der technologische Fortschritt

Wind und Solar werden und müssen als Erzeugungsträger das Rückgrat einer Erneuerbaren Energiewende sein, so viel steht außer Frage. Die erfreuliche Nachricht im Jahr 2019: dank bemerkenswerter Arbeit unzähliger Ingenieure weltweit sind die Technologien inzwischen derart ausgereift, dass sie auch wirtschaftlich gegenüber fossilen Energieträgern konkurrieren können – und Sie vermutlich bald im Regen stehen lassen werden. Bsp. Solar: schon jetzt werden gelegentlich Solarparks hochgezogen (völlig egal ob in Dubai oder Kalifornien), die mit einem kWh-Preis bei PPAs von unter 2ct ins Rennen gehen. Ähnlich sieht es bei der Windenergie aus: Siemens arbeitet aktuell an der Entwicklung einer 10 MW Turbine, GE sogar an einem 12 MW Modell. Und vor der Küste Großbritanniens wurde jüngst der weltweit größte Offshore-Windpark eröffnet, mit einer Gesamtleistung von 1,2 GW. Mindestens ebenso wichtig ist zudem: auch am globalen Süden geht dieser Fortschritt nicht vorbei – Afrika’s größte Windfarm (310 MW) wurde soeben in Kenia eröffnet, wodurch dieses Land schon jetzt 70% seiner Elektrizität durch Erneuerbare Energie gewinnt und in Ägypten entsteht mit dem Benban-Projekt (1,4 GW) einer der weltgrößten Solar-Parks überhaupt.

Was bleibt? Technologisch sind wir inzwischen an einem Punkt, der uns viele Möglichkeiten eröffnet die Treibhausgasemissionen zügig und konsequent zu reduzieren – und das gilt nicht nur für die Energieerzeugung, sondern in der Folge auch für andere Sektoren (Wärme, Mobilität, Industrie, etc.). An vielen Stellen wird schon heute beeindruckende Pionierarbeit geleistet, um Klimaschutz und gesellschaftliche Prosperität gekonnt miteinander zu vereinen. Die Zeit ist also reif für eine grüne industriell Revolution.

5) Die Medien

Wer sich über den verantwortungslosen Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen oder dem unsäglichen Irrsinn der industriellen Massentierhaltungen informieren will, braucht heute dafür nur noch ein paar Minute im Internet aufzuwenden. Netflix hat eine Fülle an großartigen Dokumentationsfilmen im Angebot (Our Planet, Before The Flood, Cowspiracy, etc.) – immer mehr Instragam-Influencer nutzen ihre Reichweite, um Nachhaltigkeitsaspekte in die Gesellschaft hinein zu tragen (Louisa Dellertveganistungesund , Marie Nasemann, etc.) – und schlussendlich steigt die Sensibilität für dieses Thema auch bei etablierten Medienhäuser, wo mit tollen Formaten und klugen Redakteuren (Christian Stöcker vom Spiegel, Bernd Ulrich von der Zeit oder Malte Kreuzfeld von der taz, etc.) mindestens ebenso wichtige Arbeit geleistet wird.  Oder anders ausgedrückt: die nächste Erkenntnis ist zumeist nur einen Klick weit entfernt. Die Zugangsmöglichkeiten der digitalen Informationsgesellschaft könnten insofern ein entscheidender Hebel sein, damit die Ökologische Moderne auch kulturell zunehmend antizipiert werden wird. 

Was bleibt? “Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen.“ – das wusste schon Platon und daran hat sich seitdem nichts geändert. Bei wem die Dramatik der globalen Erwärmung und die Notwendigkeit einer Abkehr von unserem klimaschädlichen Lebensstil immer noch nicht angekommen ist, der muss das aktuelle Weltgeschehen schon mutwillig ignorieren. Zum Glück wird das immer schwieriger.

6) Kluge Unternehmer 

Wenn wir die Herausforderung der Klimakrise nicht nur als abstrakte CO2-Reduktionspfade wahrnehmen, sondern vielmehr auch als Chance zur Gestaltung einer ökologischen Moderne, dann braucht es auch Pioniere, die unter diesen veränderten Voraussetzungen funktionsfähige Geschäftsmodelle entwickeln und somit als Treiber des Fortschritts agieren. In Deutschland haben wir, so mein Eindruck, mehr davon als man auf den ersten Blick glaube mag. Wie Frank Thelen zuletzt in angebrachter Dringlichkeit seine Einschätzungen zur Bewältigung der Klimakrise dargelegt hat, wie Sina Trinkwalder mit Manomama in ums andere Mal vormacht, was ökosoziales Unternehmertum wirklich bedeutet und wie Waldemar Zeiler mit seinen Einhörnern nicht nur an veganen Kondomen und Periodenprodukten arbeitet, sondern nebenbei unserer Demokratie auch ein Partizipationsupdate geben will (Stichwort: 12062020olympia) – all das gibt Anlass zum Optimismus. Denn derart medial überdurchschnittlich präsente Persönlichkeiten sind vermutlich nur die sichtbarsten Teile einer ganzen Bewegung an progressiven Unternehmer*innen, die sich mittlerweile über unterschiedlichste Initiativen subsumiert. Beste Beispiele dafür: Entrepreneurs for Future und Leaders for Climate Action

Was bleibt? Für die Weltrettung müssen wir nicht auf eine neue Geschäftsidee von Elon Musk warten. Immer mehr wirtschaftliche Entscheidungsträger aus unterschiedlichsten Industriezweigen versuchen schon heute die Herausforderungen einer volkswirtschaftlichen Dekarbonisierung proaktiv zu antizipieren, getreu der Logik: Sustainable is the new Smart!

7) Big Money

“Companies that don’t adapt will go bankrupt without question.” – so hat der Guardian zuletzt Mark Carney zitiert, den Gouverneur der Bank of England. Und tatsächlich scheint langsam Bewegung in die Angelegenheit zu kommen. Unter dem Namen United For The Paris Agreement hat sich bspw. eine ganze Reihe (>80) namhafter Konzernlenker versammelt, um für einen ambitionierteren klimapolitischen Rahmen zu werben. Mit der Net Zero Asset Owner Alliance hat sich zudem eine Gruppe an bedeutenden Finanzmarktplayern gemeinsam verpflichtet, bis spätestens 2050 die Investment-Portfolios klimaneutral auszurichten – aktuell verwaltete Vermögenswerte: 4 Billionen US$. Und die Investmentbank Goldman Sachs hat dieses Jahr nicht nur einen düsteren Analysebericht zu den Auswirkungen der globalen Erwärmung auf urbane Lebensräume veröffentlicht, sondern will zukünftig auch von der Finanzierung arktischer Ölbohrungen und thermischer Kohleminen absehen. Die Klimakrise scheint nun also auch, wenngleich sehr spät, in die ökonomischen Mühlen des Kapitalismus zu geraten. Und verstärkt wird dieser Eindruck umso mehr, hört man sich die Ausführungen von Ursula der Leyen an, als sie auf die Präsentation des EU Green Deal angesprochen wurde: „Interessant war, dass letzte Woche die 44 allergrößten Anleger, die wir in Europa haben, die über 6 Billionen verfügen, uns (die EU-Komission) aufgefordert haben, so schnell wie irgendmöglich ein Klimagesetzt vorzulegen, damit sie Verlässlichkeit haben.“

Was bleibt? Mit seinen Worten „It’s the economy, stupid!” wird Bill Clinton wohl auch diesmal wieder recht behalten. Sobald bei genügend wirtschaftlichen Entscheidungsträger der Groschen gefallen ist, dürfte eine Dynamik entstehen, die nur noch schwer aufzuhalten ist. Mein Eindruck: wir nähern uns dem Kippunkt. 

8) Leuchtturmprojekte für eine bessere Welt

Wer sich in diesen Tagen über zeitgemäße Stadtplanung informiert bzw. darüber diskutiert, der kommt an den Paradebeispielen wie Kopenhagen und Utrecht vermutlich nicht vorbei. Wie wohl sonst nirgends auf der Welt wurde dort eine kluge und konsequente Priorisierung des Radverkehrs umgesetzt – mit großartigen Resultaten für Mensch und Umwelt. Die Definition von urbaner Lebensqualität und Mobilität verändert sich langsam aber sich an immer mehr Orten dieser Welt, sogar in Weltmetropolen wie BarcelonaParis und New York. Und gerade weil nationale Klimaschutzbemühungen die erforderlichen Reduktionspfade nicht immer zuverlässig einhalten, sind es vor allem lokale Initiativen, die den politischen Stillstand hinter sich lassen – eine überaus spannende Initiative vor diesem Hintergrund ist beispielsweise C40, ein Netzwerk aus 40 Großstädte von allen Kontinenten, die sich gemeinsam auf den Weg in eine deutlich umweltfreundlicherer Zukunft machen. Aber der Pioniergeist eine ökologische Moderne beschränkt sich natürlich nicht nur auf urbane Ballungsräume: die bayerische Gemeinde Wilpoldsried macht eindrucksvoll vor wie die Energiewende auf kommunaler Ebene gelingen kann (das Dorf erzeugt 7x so viel Strom wie es verbraucht) und die äthiopische Regierung hat unter Beweis gestellt, dass Renaturierungsvorhaben auch im großen Stil prächtig funktionieren (an einem Tag wurden mehr als 350 Mio. Bäume gepflanzt).

Was bleibt? „Think Big. Start Small. But First of All: Start!“ – so hat es Simon Sinke einmal formuliert. Und genau dieser geistige Aufbruch ist so ungemein wichtig, damit für dieses gesamtgesellschaftliche Transformationsprojekt auch in der breiten Masse der Bevölkerung ein positives Narrativ entsteht, für das es sich lohnt sich zu engagieren. Und auf volkswirtschaftlicher Ebene war gerade die deutsche Energiewende lange Zeit ein solches Leuchtturmprojekt – höchste Zeit also, dass wir wieder einen Zahn zulegen und uns erneut an der Spitze dieser Bewegung positionieren. Nur die wenigsten dürften Zweifel daran haben, dass wir dazu in der Lage sind – denn falls wir es nicht auf die Kette kriegen, dann vor allem, weil wir uns selbst im Weg stehen. 

9) Die Geschichte

Im historischen Kontext lässt sich die Klimaschutzbewegung ob ihrer Relevanz für den Fortschritt der menschlichen Zivilisation durchaus in einer Reihe mit anderen politischen Errungenschaften der Vergangenheit sehen, zuvorderst vermutlich mit dem Civil-Rights-Movement. Damals wie heute stehen wir vor einem zivilgesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der unser bisheriges Verständnis von Freiheit und Verantwortung in Frage stellt – nur eben diesmal unter anderen Vorzeichen, vor dem Hintergrund der Klimakrise. Die „Diskriminierung“ biologischer Systeme – völlig egal ob das rücksichtslose Zurückdrängen bedrohter Tierarten durch zunehmende Landnutzung, die unaufhörliche Vermüllung und Ausbeutung unserer Ozeane oder der hemmungslose Abgasausstoß fossiler Brennstoffe – kann und darf so nicht weitergehen. Um diese Trendumkehr aber zu realisieren, braucht es in erster Linie einen gesellschaftlichen Bewusstwerdungsprozess, damit diese Missstände in der breiten Masse anerkennt und ökologisch verträglichere Lösungsvorschläge unterstützt werden. Das ist zumeist mühsam, aber Veränderungen von derartiger Grundsätzlichkeit sind noch niemals von heute auf morgen geschehen – es ist oft zäh und gelegentlich erheblichen Rückschlägen verbunden, es bleibt zu hoffen, dass Martin Luther King auch diesmal Recht behält mit seinen Worten aus dem Jahr 1964: “The Arc of the Moral Universe is long, but it bends towards justice.”

Was bleibt? Wer in diesen Tagen nicht gerade mit Scheuklappen durch die Gegend läuft, dem dürfte mittlerweile klar sein, dass sich vieles zügig und grundsätzlich ändern muss, um den nachfolgenden Generationen keinen Planeten außer Rand und Band zu hinterlassen. Es liegt nun an jedem Einzelnen von uns, diese Entwicklung zu beschleunigen und mit Nachdruck weiter voranzutreiben, um keine weitere Zeit mehr zu verlieren.

10) Fridays For Future

Diese Graswurzelbewegung hat im vergangenen Jahr vermutlich mehr Bewusstsein für die Dringlichkeit der Klimakrise geschaffen als sämtliche Politiker*innen und NGOs in den Jahren zuvor. Das ist zweifelsfrei ein bemerkenswerter Erfolg. Aber auch abseits der freitäglichen Streikveranstaltungen hat sich ein Momentum aufgebaut, das gerade perspektivisch von hohem Wert sein dürfte – denn das Thema Klimaschutz wurde endlich von seinem Nischendasein befreit. Beste Beispiele: Greta Thunberg, die bei Trevor Noah in der Daily Show sitzt oder Luisa Neubauer, die in diesem Jahr mit ihrem Buch („Vom Ende der Klimakrise“) direkt in der Spiegel-Bestseller-Liste gelandet ist. In den Vereinigten Staaten hat sich dem mit Sunrise-Movement zudem ein Bündnis organisiert, dass unnachgiebig an der Umsetzung eines ambitionierten Green New Deals arbeitet. Und auch ganz grundsätzlich scheinen die Klimaproteste nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass immer mehr Menschen (vor allem aber zumeist jüngere) sich vom gesellschaftlichen Mehltau der ökologischen Ambitionslosigkeit nicht länger zurückhalten lassen und sich progressiver als je zuvor für eine politischen Systemarchitektur einsetzten, die ein gutes Leben im Einklang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen vernünftig vereint. 

Was bleibt? Vor allem die Hoffnung, dass all das Engagement erst der Anfang eines gesellschaftlichen Dominoeffekts hin zu deutlich mehr Umwelt- & Klimaschutz ist. Diese Bewegung wird mehr gesellschaftspolitische Anknüpfungspunkte brauchen, um perspektivisch an Relevanz und Durchschlagskraft zu gewinnen. Schaut man nun folglich an, was Initiativen wie WorldWarZero von John Kerry oder GermanZero von Heinrich Strößenreuther auf die Beine stellen, so scheint diese Hoffnung zumindest nicht ungerechtfertigt. 

11) Menschen, die sich auf den Weg machen

Die US-amerikanische Kongressabgeordnete Alexandria Ocazio-Cortez hat es zu Beginn des Jahres einen wie ich meine überaus relevanten Akzent gesetzt: „Climate delayers aren’t much better than climate deniers. With either one if they get their way, we’re toastet.“ Denn es stimmt schon: die größten Bremser sind zumeist jene, die besonders gerne im Konjunktiv sprechen. Umgekehrt gilt aber ebenso, auch wenn individuelles Verhalten effektiv vernachlässigbar ist: jedes veränderte Ernährungs-, Mobilitäts- oder Konsumverhalten bzw. jede konstruktive Initiative ist einen Schritt nach vorne. Denn nur wenn persönliche Normen und Erwartungen sich neu justieren, entsteht auch Raum für nachhaltige Fortschritt auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Und dazu kann, vielmehr vielleicht sollte ja sogar, jede*r nach bestem Wissen und Gewissen seinen Teil beitragen. In letzter Konsequenz bedeutet das freilich nicht, von heute auf morgen sein Leben auf den Kopf zu stellen – aber wenn sich jede*r für die nächsten Dekade vornehmem würde, in jedem Jahr um ein gesundes Maß sein ökologisches Bewusstsein zu erweitern, wäre wir vermutlich schon sehr bald viel weiter, als wir uns das heute vorstellen können. Denn bringt man das auch noch zusammen mit dem klimapolitischen Engagement von renommierten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Lewis Hamilton und Leonardo di Caprio, dann dürfte schnell klar werden: Klimaschutz ist mindestens dabei im Mainstream anzukommen.

Was bleibt? „There’s one issue that will define the contours of this century more dramatically thany any other, and that is the urgent threat of a changing climate.“ – diese Prognose des vorletzten US-Präsidenten hat sich mit diesem Jahr wohl endgültig bewahrheitet. Noch nicht einmal zwingend politisch, aber vor allem zivilgesellschaftlich. Denn mehr und mehr Menschen lassen alteingesessene Denkmuster hinter sich und packen selbst mit an, um einen Beitrag zu leisten, damit unser gegenwärtiges Wohlergehen nicht länger die Zukunft der nachfolgenden Generationen aufs Spiel setzt. Und jede einzelne Veränderung ist vor allem auch deshalb so wichtig, weil damit einher eine Botschaft gesendet wird, die wir uns gerade auch im kommenden Jahrzehnt immer wieder vor Augen halten sollten: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 


Es gibt also, wie ich meine, keinen Grund den Kopf vor Resignation in den Sand zu stecken. Die Umrisse einer ökologischen Moderne wie es sie im 21. Jahrhundert zu entwickeln gilt um den Kollaps unserer natürlichen Lebensgrundlagen zu verhindert, lassen sich inzwischen immer deutlicher erkennen – in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Insofern kann man es abschließend nur mit Steve Jobs halten, wie er es in dem wohl berühmtesten Apple-Werbespot aller Zeiten aus dem Jahr 1997 formuliert hat:

 “Here’s to the crazy ones. The misfits. The troublemakers. The round pegs in the square holes. The ones who see things differently. They’re not fond of rules. And they have no respect for the status quo. You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them. About the only thing you can’t do is ignore them. Because they change things. They push the human race forward. And while some of us may see them as the crazy ones, we see genius. Because the people who are crazy enough to think they can change the world … are the ones who do.


>> Picture is taken from pexels.com <<

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