Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit: die Münchner Sicherheitskonferenz, in ihrer 59. Ausgabe, zu Gast im Bayerischen Hof. Hochkarätig besetzt, mit dem russischen Angriffskrieg als dominierendem Thema. Vereinzelt hab ich Keynotes und Panels (online) verfolgt, drei Aspekte sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben, die sich in ihrer grundlegenden Logik mitunter auch auf die Klimakrise übersetzen lassen:
“I think the main lesson is not to be naive. […] I also want the world, which is beautiful, and cute and secure and we don’t have to put money to our military forces, to our defense forces. I also want that world. But that world isn’t a reality.” – so hat Sanna Marin, die finnische Premierministerin, ihre Retrospektive auf die militärische Aggression von Vladimir Putin beschrieben. Mit Blick nach vorne aber bleibt die Frage: gibt es noch andere Aspekte, in denen uns ein ungesundes Maß an politischer/kollektiver Naivität um die die Ohren fliegen könnte? Ich meine, mindestens einer: die weitreichenden Folgen des (durch den Klimawandel bedingten) Temperaturanstiegs sind eher früher als später zu spüren, ohne ein konsequentes Absenken der Emissionen drohen gefährliche Kippunkte überschritten zu werden – und letzteres wird gewiss nicht ganz allein über die magische Hand des Marktes passieren. Schlussendlich müssen Politik und Gesellschaft die Treiber der Veränderung sein, entlang der Devise: die unangenehmsten Prognosen nicht ausblenden, bestmöglich vorbereitet gegensteuern.
“You need leadership from the top. That is very important. Every man in a top position, every woman in a top position has to influence that there are more women coming, growing up to the top.” – so hat es Ursula von der Leyen formuliert, im Hinblick auf die Frage, wie eine möglichst gendergerechte Kultur in der (Sicherheits-)Politik wachsen und gedeihen kann. Insofern ist es gut, dass zunehmend Raum für Wandel in einer bisher arg männerdominierten Community geschaffen wird – von der MSC selbst, mit einem weiblichen Speaker-Anteil von mittlerweile 50%, oder auch höchstpersönlich im Außenministerium von Annalena Baerbock, mit ihrer Initiative zur feministischen Außenpolitik. Entsprechend fällt dem “Top-Leadership-Commitment” auch im Kontext von Klimaschutz und Nachhaltigkeit eine überragende Rolle zu. Ambitionslose Hochglanzborschüren alleine leisten noch keinen Beitrag, auch im Alphabet kommt Anstrengung vor Erfolg. Weitreichende Ziele, konsequentes Handeln und eine (zwischenmenschliche) Kultur, die alle relevanten Blickwinkel inklusiv miteinbezieht und klimafreundliches Verhalten/Engagement großzügig incentiviert – damit kann die Transformation gelingen. 21st century leadership is climate leadership.
“Changed interests are already today indirectly undermining security and the security regime. Tensions between countries are a structural consequence, if the energy structure is changing.” – diese Aussage stammt von Robert Habeck, der damit unmittelbar deutlich macht, dass Klimapolitik und Sicherheitspolitik zwei Seiten derselben Medaille sind. Unterschiedliche Länder haben unterschiedlichen Interessen, ein ehrliches/kollektives “Wir” kann es in der Folge gar nicht geben. Konkreter Fortschritt wird nur dann zu Stande kommen, wenn Ländern in ihrem eigenen Interesse substanzielle Vorteile in klimapolitischen Vorhaben erkennen. Was es deshalb braucht? Neue Formen und Anstrengungen der Kooperation in einer zunehmend multipolaren Welt. Und was für die große politische Bühne wahr ist, gilt vermutlich genauso für weniger prominente Vorhaben im Alltag. Es wird (wenige) Beteiligte geben (Menschen/Organisationen), die der bevorstehenden Veränderung immer und immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen, aus Angst vor einem anstehenden Bedeutungsverlust. Im Zusammensein mit allen anderen, die einer Transformation aber grundsätzlich offen gegenüber stehen, dürfte vor allem ein mehr an “Win-Win-Situationen” und “Value-Focused-Thinking” der erfolgversprechendste Weg sein – damit aus dem Ganzen mehr wird als die Summe seiner Teile.