1) Markus Lanz hat mit „Flucht“ eine ziemlich eindrückliche Dokumentation auf die Beine gestellt, die mitunter beklemmende Eindrücke aus Syrien, dem Senegal und Süditalien (Apulien) zeigt. Wer die Ursachen der südlichen Migrationsbewegungen gen Norden nachvollziehen, die Komplexität der Angelegenheit besser verstehen und begreifen will, wie eng manchmal Hoffnung und Tragödie beieinander liegen, der sollte diese Dokumentation gesehen haben. Auch mit Hinblick auf die verstörenden Vermächtnisse der Assad-Herrschaft und die zuletzt in Deutschland viel diskutierten Rückkehr von Geflüchteten aus Syrien.
Ergänzung: Wie verkürzt diese Debatte teilweise geführt wird, hat übrigens jüngst auch der Spiegel untersucht: über 7.000 Ärzte aus Syrien sind mittlerweile in Deutschland aktiv; mit Abstand Platz 1, vor Rumänien (4.682) und der Türkei (3.169) – und weiter heißt es: „Nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft sichern mittlerweile vor allem internationale Mediziner die Versorgung in strukturschwachen Regionen. Fast ein Viertel der Krankenhausärztinnen- und -ärzte hatten 2023 eine ausländische Staatsangehörigkeit.
2) Die globale Klimakonferenz (in Brasilien) geht in eine neue Runde, große Überraschungen politischer Natur sind vermutlich nicht zu erwarten – umso mehr lohnt sich ein Blick auf die Technologie- und Marktseite, der durchaus spannende Neuigkeiten bereithält.
– Kohleverstromung dürfte in Indien an Relevanz verlieren, weil Erneuerbare (Wind+Solar) in Kombination mit Speichern kostenseitig bessere Argumente liefern.
– Der Solar-Boom in Australien beschert den Einwohnern bis zu 3h-gratis Strom am Tag ab 2026.
– Auch ein Blick in das nicht besonders progressive Ungarn lohnt sich: dort hat im letzten Jahr die Solarenergie einen Anteil von knapp 25% der jährlichen Stromerzeugung, Platz 1 in Europa.
– Und auf den Philippinen kommt ebenfalls viel Schwung ins System: in den letzten 3 Jahren wurden Kapazitäten für Erneuerbare Energien i.H.v. 22GW ausgeschrieben (zur Einordnung: das sind ~74% der gesamten bisher installierten Stromkapazität).
3) Im Hotel Matze hat Anfang Oktober die Krebsforscherin Dr. Hanna Heikenwälder eingecheckt – und es ist, wie ich finde, eine ziemlich spannende Folge geworden. Eine Folge, die angenehm konstruktiv einordnet, was dieses Krankheitsbild so komplex macht, was sich seriös dagegen tun lässt und was wir von der modernen Medizin in den kommenden Jahren noch erwarten können (Spoiler: mehr als ich gedacht habe).
4) Die Entstehung und das Wachstum der ukrainischen Rüstungsindustrie ist sicherlich eine der beeindruckendsten Entwicklungen der letzten Jahre – die jetzt ein neues Kapitel aufschlägt: die Drohnenproduktion ist derart fortgeschritten, dass (falls kein Bedarf an der Frontlinie vorliegt) mittlerweile sogar Exporte möglich sind. Exporte, die wiederum dem Land helfen könnten, den Krieg gegen Russland besser zu finanzieren.
5) Der AI-Boom schreitet technisch ziemlich zügig voran, aufhorchen lassen aber haben Äußerungen der CEOs von Microsoft und NVIDIA, die in ein ähnliches Horn geblasen haben: die verlässliche, schnell skalierbare und günstige Energieversorgung für die neuen Rechenzentren könnten sich als physisches Nadelöhr der Entwicklung in den nächsten Jahren herausstellen – und China einen entscheidenden Vorteil geben, weil sie tendenziell Infrastruktur schneller zubauen als viele westliche Industrienationen. Politische bleibt die Angelegenheit damit ebenfalls schwierig: wenn die Nachfrage das Angebot (nach Strom) übersteigt, steigt der Preis – auch für Verbraucher.
6) Herbert Diess hat in der Wirtschaftswoche eine Kolumne mit der Kernbotschaft „Der Wechsel zum E-Auto ist nicht der entscheidende Wandel in der Mobilität: Es ist das autonome Fahren.“ verfasst – und dabei ein paar aufschlussreiche Einordnungen vorgenommen. Wer gut aufgestellt ist, wie schnell die Technologie voranschreitet und was einer breiten Einführung im Weg steht – ein lesenswerter Impuls!
7) Und noch einmal ZDF: bereits aus 2022, aber ich hab’s erst letztes Wochenende entdeckt – die Nachinszenierung der Wannseekonferenz („Die Wannseekonferenz“), anhand des Originalprotokolls. Als Film ziemlich schlicht gehalten, lassen einen die bloßen Worte und Szenen sprachlos zurück. Mit welcher Leichtigkeit und Überzeugung über „Aufrassung“, „Umvolkung“, „Volkskörper“ und „Endlösung“ gesprochen wird, im retrospektiv nicht mehr zu fassen. Und dennoch eine bleibende Mahnung, ohne wenn und aber das zu verteidigen, was in Artikel 1 des deutschen Grundgesetztes steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“