The Art of the Deal?

Warum wir uns von einem Zoll-Hammer nicht kirre machen lassen sollten, der eher Chaos statt Methode zu sein scheint.

Was die ersten Wochen der neuen Trump-Präsidentschaft vor allem ausgezeichnet hat, ist: viel medialer Lärm, ein möglichst skrupelloses Vorgehen und maximale Unberechenbarkeit. Ob hinter all dem wirklich ein Plan steht, wird sich eher früher als später zeigen – vor allem mit Blick auf die angekündigte Zollpolitik, die auch bei genauerem Hinsehen voller Widersprüche bleibt.

Man will Zölle erheben, um die Einnahmenseite der Staatsfinanzen zu verbessern. Man will die Unsicherheit am Aktienmarkt erhöhen, damit Investoren verstärkt auf Staatsanleihen setzen – die erhöhte Nachfrage würde es dem US-amerikanischen Staat ermöglichen, die bisherigen Schulden billiger zu refinanzieren (bisher funktioniert es nicht). Man will die Zölle als Verhandlungsinstrument verstehen, um neue (Handels-) Abkommen (und damit den Abbau von Zöllen) voranzutreiben – was aber perspektivisch dann keine zusätzlichen Staatseinnahmen generieren würde. Man will Industriearbeitsplätze zurückholen, aber: neuartige, hochautomatisierte Fabriken schaffen nicht unbegrenzt viele Arbeitsplätze – und einfache industrielle Arbeiten mit dem US-Lohn-Niveau zu produzieren, würde sämtliche Produkte spürbar teurer machen. Es werden Zölle auf Inseln belegt, die nur von Pinguinen belebt sind – Russland und Nordkorea wird aber außen vorgelassen. Man betrachtet China als immanenten Systemkonkurrenten, stößt aber sämtlich andere Verbündete vor den Kopf. Man will die Zölle möglichst bald scharf schalten – wohlwissend, dass sich globale Wertschöpfungsketten unmöglich in dieser Geschwindigkeit anpassen können. Oder anders ausgedrückt, wie es Shay Boloor gesagt hat: „You can’t replace a fragile supply chain with chaos and call it resilience.“

Selbst wenn also alles – entgegen allen Widersprüchen – einem großen, klugen Plan folgen sollte: die kurzfristigen finanziellen Kollateralschäden (an den Börsen) sind schon jetzt enorm, die maximale ökonomische Unsicherheit wird das Investitionsklima ganz sicher nicht erhöhen. Und auch wenn viele seiner Wähler wenig bis kaum was zu verlieren haben (Stichwort: Aktiendepot), so dürften doch „deren“ Arbeitsplätze die Ersten sein, die einer Rezession zum Opfer fallen. Völlig zurecht hat deshalb Carl Quintanilla gefragt: „Brennt die Trump-Administration hier das Haus nieder, um ein Steak zu grillen?“

Der Einsatz, mit dem hier pokert, ist enorm: wird aus MAGA bald „Make China Great Again“, weil sich viele Länder der dominanten Handelsmacht im Osten als führendem Wirtschaftspartner zuwenden? Entstehen neue Wirtschaftsgemeinschaften um die USA herum (EU/UK/Canada/Mexico/etc.)? Wird Deutschland / Europa versuchen, die strategischen Anhängigkeiten mit den USA zu reduzieren und amerikanischen Tech-Firmen verstärkt ins Visier der politischen Regulatorik nehmen? Denn was der Premierminister von Singapore gesagt hat, scheint den Nagel auf den Kopf zu treffen: „For decades the US was the bedrock fort he free market economies of the world. It championed free trade and led efforts to build a multilateral trading system anchored by clear rules and norms… it is abandoning the entire system it created.”

Unterm Strich bleibt deshalb vielmehr ein Gedanke übrig: ist es für Donald Trump zum Schluss nur ein großes Spiel, um möglichst umfangreich dem nachzukommen, was er am liebsten tut: die Loyalität seiner Gefolgschaft auszutesten, verhandeln und „Deals“ abschließen – ohne ein richtig konkretes Ziel, aber vielmehr der Aufmerksamkeit wegen? Abzuwarten aber bleibt diesmal, ob ihm die (ökonomische) Realität einen Strich durch die Rechnung macht. Denn das, was er Zelensky vor wenigen Wochen gesagt, könnte diesmal möglicherweise auf ihn selbst zutreffen: „You are not in a very good position. You don’t have the cards.“ – Es gibt (offensichtlich) keinerlei Roadmap, es ist keinerlei Ende in Sicht, es gibt keinerlei Erfolgsmetriken – nur, in alter Silicon Valley Manier: „Move fast and break things.“ Vieles wird insofern von zwei Aspekten abhängen: einerseits, wie pragmatisch und wenig nachtragend der Rest der Welt mit dieser politischen Willkür umgeht – und andererseits, wie lange Donald Trump dem sicherlich stärker werdenden innenpolitischen Druck im eigenen Land standhalten wird.

In jedem Fall aber steht fest: the game is on. Es dürfte auch weiterhin ziemlich ruckelig bleiben und lieber früher als später braucht Deutschland eine vereidigte Regierung. Aber wie so oft könnte sich auch diesmal eine altbewährte Strategie erweisen: keep calm and carry on. Die Quadratur des Kreises wird auch Donald Trump nicht gelingen können.

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